ZEMENT UND BETON BEI CO2-REDUKTION AUF KURS

Sebastian Spaun - Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ)

INTERVIEW MIT
SEBASTIAN SPAUN

Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ)

Was wir beim Fußball wohl so schnell nicht schaffen, ist in der Herstellung von Zement gelungen: Österreich ist Branchenweltmeister, denn das Bindemittel Zement wird nirgendwo so klimafreundlich hergestellt wie in Österreich. Sebastian Spaun, Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie, erklärt die Hintergründe.

Österreich hat eine Zementindustrie mit außergewöhnlich niedrigem CO2-Ausstoß. Wie konnte das erreicht werden?

Die Unternehmen der Zement- und Betonindustrie investieren seit vielen Jahren in neue Technologien und in den Ausbau der Werke, allein im Jahr 2019 mehr als 75 Millionen Euro. Die weltweit niedrigste CO2-Emission pro Tonne erzeugtem Zement, sprich 525 kg, konnten wir erreichen, indem wir den Einsatz fossiler Brennstoffe (Kohle, Öl und Gas) in unseren Öfen um 80 Prozent reduziert haben und durch umweltfreundlichere Alternativen ersetzen konnten. Wir sind damit nicht nur in der EU, sondern auch weltweit Vorreiter.

Außerdem haben wir den Klinkeranteil in unseren Zementen auf rund 70 Prozent reduziert und liegen auch hier international im Spitzenfeld. Die modernsten Umwelt- und Filtertechnologien in der Zementherstellung werden z. B. von österreichischen Anlagenbaufirmen entwickelt. Die weitere Reduktion des Klinkeranteils steht auch im Zentrum von Forschungsprojekten mit Partnern aus der Wissenschaft, z. B. mit der Smart Minerals GmbH.

Welche Maßnahmen werden auf europäischer Ebene gesetzt?

Der europäische Zementverband, das CEMBUREAU, hat sich in seiner Roadmap 2020 zum Ziel gesetzt, CO2 entlang der gesamten Wertschöpfungskette einzusparen. Das Ziel ist Klimaneutralität im Jahr 2050. Europäische Forschungsinitiativen setzen auf Projekte zur Abscheidung von CO2 aus dem Zementherstellungsprozess und zu dessen Weiterverarbeitung zu neuen Produkten.

zur Person

Sebastian Spaun

Sebastian Spaun ist seit Jänner 2015 Geschäftsführer der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ). Spaun ist seit 1998 als Leiter der Abteilung Umwelt & Technologie und seit 2004 als stellvertretender Geschäftsführer aktiv in der VÖZ eingebunden: “Die großen Themen der Zementerzeuger sind Klima-, Energie- und Umweltpolitik, die im europäischen und globalen Kontext betrachtet werden müssen.”

“Zementklinker wird in Österreich ausschließlich mit der effizientesten Technologie produziert: in Drehrohröfen mit Zyklonvorwärmer-Anlagen. Die im Prozess anfallende Abwärme kann so wiederverwendet werden und senkt dadurch den Energieverbrauch.”

Sebastian Spaun

Industrie-Meilenstein für den Umweltschutz

… ist das Leuchtturmprojekt „Carbon2ProductAustria“ von vier großen österreichischen Unternehmen, das im Sommer 2020 präsentiert wurde. Lafarge Zementwerke, OMV, VERBUND und Borealis werden in den kommenden Jahren eine bahnbrechende Anlage errichten, die nahezu 100% der jährlichen CO2-Emissionen im Zementwerk Mannersdorf (NÖ) binden und wiederverwerten wird. Die Zahlen sprechen für sich: rund 700.000 (!) Tonnen abgeschiedenes CO2 stehen damit als Ressourcen zur Verfügung. Daraus entstehen zukünftig hochwertige Kunststoffe für Borealis und Kraftstoffe für die OMV.

Weltweit geringster CO2 - Ausstoß gelungen

Im weltweiten Vergleich ist es der heimischen Branche gelungen, den geringsten CO2-Ausstoß pro Tonne erzeugtem Zement vorzuweisen. Die österreichische Zementindustrie ist Branchenweltmeister und nimmt international eine Vorreiterrolle ein. Nirgendwo wird Zement klimafreundlicher hergestellt als in Österreich. Österreichische Betriebe beweisen, dass Industrieproduktion nicht im Widerspruch zum Klimaschutz steht. Würde die gesamte Zementindustrie in der EU nach österreichischen Umweltstandards produzieren, könnten 15 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden.

Die globalen Treibhausgasemissionen 2017

Globale Treibhausgasemissionen

Total: 53,5 Gt CO2 (2017)

Die Bilanz zeigt: Die meisten Treibhausgase entstehen durch Abholzung und Landwirtschaft (24 Prozent) und in der Energiebranche bei der Strom-  und Wärmeerzeugung (25 Prozent). Auch die Industrie hat mit 17 Prozent einen nennenswerten Anteil an den weltweiten Treibhausgasemissionen. Bei der Zementproduktion werden anteilsmäßig etwa vier Prozent ausgeschüttet.