MIT DEM BETONMISCHER
AUF REISEN

Wo fahren diese Betonmischer, die wir auf der Straße meist überholen, eigentlich hin? Und was passiert mit dem Material genau? Wer wüsste dies besser als der Mischer selbst? Ein Gespräch auf der Fahrt von einem der vielen heimischen Betonmischwerke in den österreichischen Kalkalpen zu einer Baustelle in Oberösterreich. 

Guten Morgen direkt aus dem Fahrerhaus! Du hast mir schon im Vorfeld gesagt, wir hätten nicht viel Zeit für unser Gespräch. Wie kommt das?

Ja, in der Tat, vom Werk bis zur Baustelle sind es meist nicht mehr als 15 bis 30 Kilometer. Da wird gerade einmal mein Motor warm. Soeben fertig gemischt, kommen wir schon einsatzbereit am Bestimmungsort an.

Wenn du nur so kurze Wege zurücklegst, bist du ja ein richtiger Klimaschützer!

Deshalb ist Beton ja auch ein umweltfreundlicher Baustoff – er trägt ja nicht umsonst auch das Gütesiegel „Beton aus der Region – Ein Teil von uns“.

natuerlich beton truck

Was passiert denn mit dem Beton in deiner Mischtrommel?

Heute liefere ich Frischbeton für einen Kraftwerksbau in der Gegend, morgen bin ich mit einer ganz anderen Mischung für eine neue Straße im Nachbarort unterwegs. Nächste Woche bin ich für ein neues Schulgebäude im Einsatz, bei dem Energieeffizienz und Komfort großgeschrieben wird: Es bezieht seine Energie komplett von der Sonne und die Betondecken dienen zum Heizen und Kühlen – auf der Baustelle haben sie irgendetwas von „energieautark“ erwähnt …

Was transportierst du genau, wenn du von einer „Mischung“ sprichst?

Ich bringe schon den fertigen, zähflüssigen Frischbeton, der dann am Einsatzort nur noch mit einer Betonpumpe in die vorbereitete Schalung eingebracht wird. Das Material ist dabei jeweils anders zusammengesetzt. Es braucht viel Erfahrung für den Einsatz der individuellen Mischungen, da sie ja den vielen Anforderungen in punkto Dauerhaftigkeit, Festigkeit, aber auch Ästhetik entsprechen müssen. Zum Beispiel müssen Zement- und Wassermenge, Gesteinskörnung Fließmittel und Temperatur auf jeden Fall stimmen. Oft muss er wasserdicht oder frost- und tausalzbeständig sein und nach seiner Aushärtung die definierte Druckfestigkeit erreichen.

Apropos Umweltschutz: Wird schon bei der Herstellung auf Recycling geachtet?

Stimmt. Denn selbst in der Produktion anfallende Restmengen können in den Kreislauf zurückgebracht werden. Vor allem alte Betone kann man erneut brechen, mahlen und zu 100 Prozent wiederverwenden. In den Betonwerken gibt es dazu geschlossene Wiederverwertungskreisläufe. 

Als Transporteuer hast du sicherlich auch ein Lieblingsziel. Welche Baustellen fahren deine vier Räder denn am liebsten an?

Unter dem Gesichtspunkt des Umweltgedankens finde ich die Revitalisierung leerstehender Objekte besonders wertvoll. Gerade gestern habe ich Flüssigbeton für eine verlassene Industriehalle geliefert, die jetzt saniert und für kleinere Gewerbebetriebe umgebaut werden soll. In Österreich stehen derzeit rund 40.000 Hektar leer, also eine Fläche so groß wie unsere Bundeshauptstadt! Die sollten doch besser wiederverwendet werden, bevor neue Böden verbaut werden!

Da hast du völlig recht. Und jetzt möchten wir dich nicht weiter aufhalten, auf der Baustelle wartet man ja schon auf dich!

natuerlicher baustoff

Natürlicher Baustoff

Beton ist ein äußerst vielseitiger und flexibler Baustoff, der in vielen Zusammensetzungen verwendet werden kann. Das unveränderte, rein aus natürlichen Zutaten bestehende Grundrezept: Zement aus Kalkstein und Ton, als Gesteinskörnung Sand und Kies sowie Wasser. Rohstoffe also vor unserer Haustür, die in genügender Menge vorhanden sind. Mit verschiedenen Zusätzen wird Spezialbeton an seine Einsatzorte speziell angepasst, ob im Brand- oder Schallschutz, im Sicherheitsbereich oder als Energiespeicher. Gängiger Zementbeton kommt als zeitloser, moderner Baustoff am häufigsten vor. Kraftwerke, Brücken, Tunnel oder andere Infrastruktureinrichtungen werden mit der jeweiligen “Spezialmischung” errichtet.

beton mischung

Beton: Auf die Mischung kommt's an

Obwohl es nur wenige Zutaten sind, müssen die einzelnen Anteile für die “richtige” Mischung exakt berechnet werden. Dies stellt die gewünschte Festigkeit, den Luftgehalt sowie das richtige Wasser-Zement-Verhältnis sicher. Jede Betonmischung muss im Labor oder im Betonwerk geprüft und verifiziert werden. Die Gesteinskörnungen (Kies und Sand) werden gewogen und dann in den Mischer gefüllt. Gleichzeitig werden der Zement und eventuelle Zusätze gewogen. Das Wasser rundet den Vorgang ab.

frischbeton

Die Wahl: Frischbeton oder Fertigteil

Frischbeton wird an Ort und Stelle produziert oder als Transportbeton angeliefert und in eine vorgefertigte Form gelassen – die Schalung. Ist der Beton ausreichend erhärtet, wird die Schalung entfernt. Es werden aber auch Betonfertigteile produziert, die zur Baustelle transportiert und vor Ort eingebaut werden.

Wie entsteht eigentlich Zement?

natuerlich zement

Zement ist ein wesentlicher Bestandteil von Beton. Er wirkt wie ein Kleister, der das Gestein verbindet. Um Zement herzustellen, braucht es Kalkstein, Ton und Mergel. Diese Rohstoffe werden aus der Natur in Steinbrüchen gewonnen. Bevor sie die Reise ins Zementwerk antreten, werden sie zerkleinert – in etwa auf die Größe von Straßenschotter. Im Werk angekommen, wird alles gemeinsam mit Quarzsand und Eisenerz fein gemahlen. Der wichtigste Vorgang: Das Brennen des Rohmehls im Drehofen bei 1.450 °C. Dadurch entsteht grobkörniger Zementklinker, der vermischt mit Gips, Anhydrit und zum Teil weiteren natürlichen Zumahlstoffen, wie z. B. Kalkstein, Hüttensand oder Flugasche, zu Zement gemahlen wird.