ÖKOBILANZ:
BETON LIEGT VORNE

Ökobilanz - Bau- und Umweltexpertin

INTERVIEW MIT
CLAUDIA DANKL

Bau- und Umweltexpertin,
stv. Geschäftsführerin VÖZ

Welche Eigenschaften machen Beton zu einem umweltfreundlichen Baustoff?

Beton ist ein natürlicher, rein mineralischer Baustoff, der aus Gesteinskörnung, Wasser und Zement als Bindemittel besteht. Bauwerke aus Beton bleiben über viele Jahrzehnte, ja sogar Jahrhunderte erhalten – ein Beispiel ist die Kuppel des Pantheons im antiken Rom, das im 1. Jahrhundert nach Christus errichtet wurde. Gestern wie heute profitieren Gebäude und Infrastrukturbauten wie Brücken oder Tunnel von dieser Langlebigkeit. Und am Ende der Lebensdauer kann Beton aufgebrochen und zu 100 Prozent wiederverwertet werden.

Was trägt noch zur positiven Ökobilanz von Beton bei?

Die kurzen Transportwege, die lange Lebensdauer und seine Rolle als Energiespeicher. Gängige Ökobilanzierungen stellen oft die CO2-Emissionen bei der Baustoff-Herstellung in den Mittelpunkt und greifen damit zu kurz. Betrachtet man nur den Herstellungsprozess, fallen bei der Zementerzeugung bei der Entsäuerung des Kalksteins sowie durch die erforderlichen hohen Brenntemperaturen CO2–Emissionen an, allerdings macht der Zement im Beton mengenmäßig nur knapp über zehn Prozent aus. Betrachtet man dann zusätzlich den ökologischen Fußabdruck über die Lebensdauer, zeigt sich ein ganz anderes Bild: Die besonders lange Lebensdauer von Betonbauwerken verringert den CO2-Fußabdruck erheblich. Außerdem spart Beton mit seiner thermischen Masse im Betrieb von Gebäuden relevante Mengen an CO2 ein. Dass an den Oberflächen von Beton ständig CO2 wieder eingebunden wird – das CO2 bildet somit wieder Kalkstein und das dauerhaft – wissen viele Menschen gar nicht. Das Potenzial der Aufnahme beträgt rund 25 Prozent der CO2-Emissionen, die bei der Herstellung verursacht worden sind. Dieses Phänomen wird Carbonatisierung genannt und bietet noch viel Potenzial für Forschung und Innovation in der Branche.

Stichwort Bauen in Zeiten des Klimawandels: Wie kann Beton beim Klimaschutz helfen?

Beton wirkt temperaturregulierend und spielt daher bei der Kühlung von Gebäuden und Stadtvierteln eine immer wichtigere Rolle. Er ermöglicht verdichtete Bauweisen, also flächenschonendes Bauen in die Höhe und die Tiefe und ermöglicht, Fassaden, Balkone und Dächer zu begrünen. Zu ebener Erde wiederum helfen auch der Einsatz von wasserdurchlässigem Beton und versickerungsfähige Pflasterflächen, das Mikroklima zu verbessern und dem gefürchteten Hitzeinsel-Effekt in der Stadt entgegen zu wirken.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen dem Einsatz von Beton und dem lebenswichtigen Erhalt der Biodiversität?

Es ist unbestritten, dass derzeit ein massiver Verlust an Biodiversität stattfindet, weil immer mehr Flächen verbaut werden und Lebensräume von Tieren und Pflanzen dadurch verloren gehen. Auch der WWF Living Planet Index für Österreich zeigt, dass der Bestand an Wirbeltieren massiv zurückgeht. Diese Entwicklung aufzuhalten, ist somit für unsere Gesellschaft (über-)lebenswichtig. Auch die Renaturierung von Steinbrüchen und Tongruben der österreichischen Zementwerke, also die „Rückgabe“ an die Natur, schafft neue Lebensräume für verschiedenste Pflanzen und Tieren. Ein Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit dem WWF hat gezeigt, dass die Artenvielfalt in stillgelegten Steinbrüchen oft höher ist als in der natürlichen Umgebung.

zur Person

Claudia Dankl

ist Geschäftsführerin der Zement- und Beton Handels- und Werbeges.m.b.H. und stellvertretende Geschäftsführerin der Vereinigung der Österreichischen Zementindustrie (VÖZ). Die Landschaftsplanerin war davor bei der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik (ÖGUT) als Managerin des Forschungsprogramms “Stadt der Zukunft” tätig.

"Beton wirkt temperaturregulierend und spielt daher bei der Kühlung von Gebäuden und Stadtvierteln eine immer wichtigere Rolle."

Claudia Dankl

ZAUBERFORMEL CARBONATISIERUNG

Wussten Sie, dass...

Beton nach dem Einbau wieder CO2 aus der Luft aufnimmt? Es diffundiert aus der Luft in die luftgefüllten Poren des Baustoffs und führt zu einer chemischen Reaktion mit den Zementbestandteilen. Das Potenzial beträgt rund 25% der CO2 -Emissionen, die bei der Herstellung verursacht worden sind. Betonbauwerke sind daher eine sogenannte CO2 -Senke und daher für den Klimaschutz extrem wichtig. Forschungen zur Steigerung der Carbonatisierung laufen dementsprechend in Österreich als auch international auf Hochtouren.

beton co2 aufnahme im hellen bereich sichtbar

CO2-Aufnahme im hellen Bereich sichtbar. Die wissenschaftliche Studie („Nature Geoscience“ Xi et al. 2016) kommt zum Schluss, dass Beton CO2 aus der Atmosphäre aufnimmt.

cabonatisierungspotential